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Künstliche Intelligenz: Aus Science-Fiction wird digitale Realität

Künstliche Intelligenz: Aus Science-Fiction wird digitale Realität

Was vor wenigen Jahren noch als Schlüsselzutat für erfolgreiche Science-Fiction Blockbusters galt, ist heute Realität: Artificial Intelligence (AI), oder zu Deutsch Künstliche Intelligenz (KI), hat den Labor-Kittel längst abgelegt. Die Vision von gestern eröffnet Unternehmen aller Branchen und Grössen ganz neue Potentiale und wird zum Lichtschwert im Kampf mit immer weiter anschwellenden Datenfluten.

Autonome Autos, sprachgesteuerte Assistenten, Drohnen und Chatbots – die digitale Zukunftsmusik von gestern hält heute in schwindelerregendem Tempo Einzug in unserem Alltag. Sie alle basieren auf einem zentralen Konzept: Der künstlichen Intelligenz. Wegbereiter für diese rasante Entwicklung sind dabei nicht zuletzt auch die enormen Fortschritte in anderen Trend-Technologien: Internet, Cloud und Big Data. Damit verbundene hochleistungsfähige Hard- und Softwarekomponenten mit fast unbegrenzter Rechenleistung bieten der künstlichen Intelligenz das Instrumentarium, um aus grossen Datenmengen komplexe Zusammenhänge zu lernen, ohne explizit dafür programmiert werden zu müssen. Die Bewältigung dieser Datenmengen ist dabei existenziell, um unsere menschliche Intelligenz so gut zu simulieren, dass beispielsweise die Interaktion mit Chatbots kaum mehr von der mit einem echten Menschen unterschieden werden kann.

Was ist künstliche Intelligenz?

Im Wesentlichen simuliert künstliche Intelligenz die menschliche Intelligenz in einem Computer. Im Gegensatz zu klassischen Expertensystemen hängt die künstliche Intelligenz dabei nicht allein von der Wissensbasis ab, die ihr von Menschenhand in sogenannten Wenn-Dann-Beziehungen beigebracht wurde. Sie benötigt also keine aufwändig programmierte Wissensbasis. Stattdessen sucht sich KI Zusammenhänge selbst, versucht dahinterliegende Konzepte zu verstehen und lernt mit jeder Nutzung und dem entsprechenden Ergebnis dazu. Durch die Fähigkeit nicht nur auf Wissen zu basieren, sondern aus Erfahrungen neues Wissen zu lernen (auch «Deep Learning» genannt), überholen künstliche Intelligenz-Systeme in kurzer Zeit auch die raffiniertesten, klassischen Expertensysteme.

Nicht nur für globale Technologieriesen

Die Anwendungsgebiete von künstlicher Intelligenz sind vielfältig – und dabei keineswegs nur globalen Technologieriesen vorbehalten. Selbstlernende Datenanalyse-Tools finden bei praktisch jedem Schweizer Unternehmen sinnvolle Einsatzgebiete. Moderne Standardapplikationen grosser Software-Hersteller wie Microsoft, Salesforce, Google oder IBM bieten heute integrierte KI-Basiskomponenten, die auch für Schweizer KMU zu erschwinglichen Preisen im Unternehmen etabliert werden können.

Sei es, dass der Kundendienst gezielt unterstützt wird, in dem aufgrund früherer Erfahrungen konkrete Problemlösungen oder aber geeignete Experten innerhalb des Unternehmens vorgeschlagen werden. Sei es, dass KI im Verkaufsprozess automatisiert auf die Kundenbedürfnisse zugeschnittene Angebote erstellt oder gleich selbst in Form eines Chatbots einfache Kundenanfragen automatisiert beantwortet. Sei es, dass KI im Bereich der «predictive maintenance» aufgrund von einer Vielzahl von Sensormessungen bereits frühzeitig eine drohende Störung an Maschinen oder Geräten voraussagen und vorbeugende Wartungseinsätze empfehlen kann. Die Möglichkeiten sind (fast) endlos.

Eine weitere grosse Stärke spielt KI beim Umgang mit grossen Mengen an unstrukturierten Daten aus: So kann Wissensarbeitern viel Zeit beim Suchen von benötigten Informationen erspart werden. Daten, Emails, Tickets werden automatisch richtig kategorisiert und zugeordnet. Wo relevant reichern KI-Systeme bestehende Daten des Unternehmens zudem fortlaufend mit freiverfügbaren Daten aus dem World Wide Web an – und lernen auch so wieder kontinuierlich dazu. Beeinflusst das Wetter das Kaufverhalten der Kunden? Wie verändern sich die Aktienmärkte und welcher Einfluss ist daraus auf das Unternehmen abzuleiten? Überall wo Informationen beurteilt werden müssen, können menschliche Experten durch KI-Unterstützung massiv effizienter werden. Aber nicht nur: Es lassen sich auch komplett neue Erkenntnisse und Konzepte erkennen, die dem menschlichen Betrachter bislang verborgen blieben.

Lernen geht nicht ohne Fehler

Es führt kein Weg daran vorbei: Künstliche Intelligenz wird über kurz oder lang zu einem der wichtigsten digitalen Begleiter in unserem geschäftlichen wie privaten Alltag werden. Dennoch dürfen auch die damit verbundenen Risiken nicht ausser Acht gelassen werden. Bereits zu viele Beispiele haben gezeigt, dass KI-Systeme – seien sie auch noch so ausgereift – gesunden Menschenverstand nicht ersetzen können. Eines der bekanntesten (und unrühmlichsten) Beispiele dürfte der Bot «Tay» gewesen sein. Von Microsoft im Jahr 2016 lanciert, um das Kommunikationsverhalten von 18- bis 24-Jährigen zu erlernen. Keine 24 Stunden später war aus Tay ein rassistisches Scheusal geworden, dem Microsoft kurzum wieder den Stecker ziehen musste. Natürlich war dies das Resultat gezielter menschlicher Manipulation und kann deshalb nicht als klassischer KI-Fehlschlag abgetan werden. Dennoch: Ein lernendes System kann seinen Selbstzweck nur dann erfüllen, wenn auch Fehler erlaubt sind. Die Einführung von KI-Systemen und deren gezielte Förderung und Etablierung kann und muss immer eng von Menschen begleitet werden.

 Der Faktor Zeit

Wer jetzt geneigt ist, doch lieber noch etwas zuzuwarten, bis KI «die Kinderkrankheiten abgelegt hat», bewegt sich strategisch auf dünnem Eis. Fakt ist: Künstliche Intelligenz wird je länger je intelligenter – eben jeden Tag, mit jeder Nutzung, jeder Erfahrung und auch mal einem Fehlschlag. Gezielt eingesetzte KI-Systeme generieren bereits in kürzester Zeit und vor allem auch nachhaltig messbare Mehrwerte: Prozesse werden effizienter, Reaktionszeiten sinken, die Kundenzufriedenheit steigt. Wettbewerbsvorteile generiert vor allem, wer «seine» KI frühzeitig etabliert und ihr – wie auch sich selbst – so einen Lernvorsprung vor anderen Mitbewerbern verschafft. Dazu kommt, dass KI zukünftig das einzige Mittel sein wird, um die rasant anschwellende Datenflut zu beherrschen. Die Frage lautet darum nicht, ob sich Unternehmen mit künstlicher Intelligenz auseinandersetzen sollen, sondern wie lange sie sich es noch erlauben können, es nicht zu tun?

«Mensch sein» als zentrale Zukunftskompetenz

Schlussendlich geht es dabei nicht nur darum, für das eigene Unternehmen sinnvolle Einsatzgebiete für KI zu finden. Für viele steht ausser Frage, dass künstliche Intelligenz auch erhebliche Auswirkungen auf die Gesellschaft haben und neue Herausforderungen mit sich bringen wird. Im gesellschaftlichen Diskurs über die langfristigen Konsequenzen dieser neuen Technologie sind deshalb auch die Unternehmen gefordert. Und was dabei für andere technologische Errungenschaften gilt, ist bei der KI nicht anders: Seit jeher war und ist technologischer Wandel von Ängsten begleitet. Die prognostizierten Szenarien ausgewiesener Experten auf dem Gebiet der KI reichen dabei von Horrorszenarien ausser Kontrolle geratener Computer bis hin zu einem goldenen Zeitalter, in welchem glückliche Privatiers alle Unannehmlichkeiten von klugen Robotern erledigen lassen.

Fakt ist: Wir können heute nicht absehen, wie stark KI unsere Gesellschaft verändern wird. Auch kann eine Technologie, wie sie nun schon einmal da ist und Einzug in unserem Leben hält, nicht einfach wieder zurück in den digitalen Keller gesperrt werden. Entscheidend wird deshalb sein, was Unternehmen, Menschen und Gesellschaft aus den neu errungenen Möglichkeiten machen, wie Chancen genutzt werden und wie Risiken vorgebeugt wird. Auf der Hand liegt, dass der Mensch bei der Entscheidung über den Einsatz der Technologie eine aktive Rolle spielen muss. Arbeitnehmende müssen deshalb zwingend und kontinuierlich dabei unterstützt werden, sich neue Fähigkeiten anzueignen. Es werden neue Jobs entstehen, andere werden verschwinden – und die meisten werden sich verändern.

Es wäre nun für die Menschheit das falsche Rezept, nur danach zu streben, wie eine Maschine zu werden, um sich im virtuellen Konkurrenzkampf Chancen zu wahren. Vielmehr sollten Gesellschaft, Politik und Unternehmen vermehrt auf die Vermittlung menschlicher Stärken setzen: Kritisches Denken, Beziehungen, Kreativität, Zielstrebigkeit, Emotionen und Sensibilität. Fähigkeiten also, die nicht oder nur sehr schwer durch Algorithmen programmierbar sind und uns Menschen deshalb heute und auch in Zukunft wirklich einzigartig machen.

(Beitrag von Tanja Regli)

Zuerst erschienen in: topsoft Fachmagazin 04/2018

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